Was ist emmaus?


"Unser Name emmaus ist der Name eines Ortes in Palästina,
wo einige Verzweifelte die Hoffnung wiedergefunden haben"

So steht es im Universalen Manifest der internationalen emmaus-Bewegung, die im November 1949 von dem französischen Priester Abbé Pierre durch das Zusammentreffen mit einem Mann, der verzweifelt und einsam war, ins Leben gerufen wurde.
Statt ihm Almosen zu geben, bat Abbé Pierre ihn, ihm "helfen zu helfen", ihm zu helfen, angesichts der trostlosen Lage obdachloser Familien in den Vorstädten von Paris für diese Unterkünfte zu bauen.
Durch diese Arbeit erhielt der Mann das wieder, was ihm vor allem fehlte:
Einen Sinn im Leben.

So entstand die erste emmaus-Gemeinschaft.
Seither entstehen auf der ganzen Welt emmaus-Gemeinschaften und Gruppen, deren Ziel es ist, soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen und sich für ein menschenwürdiges Leben einzusetzen.
Ein Zusammentreffen von:
Menschen, die sich ihrer privilegierten Situation und ihrer sozialen Verantwortung angesichts der Ungerechtigkeit bewusst sind, und Menschen, für die das Leben keinen Sinn mehr hat.
Sie beschliessen, ihre Tatkraft zu vereinen, um sich gegenseitig zu unterstützen und den Notleidenden zu helfen in der Überzeugung, dass jeder auch sich selbst hilft, indem er anderen hilft.



Das Ziel von emmaus ist, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen, alle menschlichen Gemeinschaften und alle Nationen als gleichberechtigte Partner miteinander leben und sich gegenseitig helfen, ihren Lebensunterhalt sicherzustellen, Selbstvertrauen zu finden und in gleicher Weise menschenwürdig zu leben.



Fünf Schlüsselworte ermöglichen ein besseres Verständnis von emmaus-Gemeinschaften: Aufnahme, Gemeinschaftsleben, Arbeit, Dienst und Engagement

Aufnahme jedes Menschen
- ohne Einschränkung politischer, religiöser, rassischer oder anderer Art
- ohne Rücksicht auf Herkunft oder Vergangenheit
- bei sozialen, familiären oder beruflichen Schwierigkeiten
- für jeden, der allein ist.

Gemeinschaft
für die einen als Antwort auf das dringend benötigte Dach über dem Kopf,
für die anderen die Wahl eines persönlichen Lebensstils,
für alle, um deutlich zu machen, dass es auch in Krisenzeiten "Orte gegen die Verzweiflung" gibt, und dass es möglich ist, menschliche Beziehungen aufzubauen, die nicht auf Macht und Gewalt beruhen.

Arbeit
Eine Arbeit, die jeder leisten kann, eine Herausforderung an die Fähigkeiten eines jeden.
Wo immer möglich werden Altmaterial und Gebrauchtgegenstände gesammelt, daher der Name "Lumpensammler von emmaus", es ist eine bescheidene und harte Arbeit, die schmutzig macht, manchmal auch verachtet wird, jedoch jedem die Gewissheit gibt, sich sein Brot zu verdienen, kein Sozialfall zu sein.

Dienst
"Hilf dem zuerst, der am meisten leidet" um so dem Frieden durch Gerechtigkeit zu dienen.
Die, die "am meisten leiden", das sind beispielsweise:
- die Ausgeschlossenen aller Länder
- die körperlich und geistig Behinderten
- Menschen, die aus dem Gefängnis kommen
- die Alkohol- und Drogenkranken
- die Verzweifelten der "III.Welt"
- Opfer der verschiedenen nationalen oder internationalen Herrschafts- und Unterdrückungsstrukturen, deren Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden:
Ernährung, Gesundheit, Wohnung, Erziehung, Arbeit, ...
- Flüchtlinge, gleich welcher Art
- die Opfer von Naturkatastrophen.

Engagement
emmaus will Anstoss und Ergänzung sein im Kampf um Gerechtigkeit und bei der Veränderung der Gesellschaft mit den Armen, Erniedrigten und Vergessenen.

emmaus versteht sich als Provokation der Wolhhabenden durch die Armen, die anstatt auf öffentliche oder private Hilfe angewiesen zu sein, sich zusammentun, um zu handeln.

Wenn die Armen, die "Kleinen Leute", das mit ganzer Hingabe tun, müssen dann nicht
alle anderen viel weiter gehen in der Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung?



Neben den emmaus-Gemeinschaften bestehen auch andere Formen der emmaus-Arbeit:
Zum Beispiel "die Freunde von emmaus".
Diese Gruppen bestehen aus Menschen, die auch den Ideen von emmaus folgen wollen, obwohl sie nicht in den Gemeinschaften leben. Sie kämpfen im privaten und öffentlichen Bereich für die Verwirklichung der Ziele, die im Universalen Manifest ausgedrückt sind.
Diese "ehrenamtlichen Helfer" sind ein wichtiger Teil, zur Verwirklichung der Ziele von emmaus. Durch sie wird das Ziel vom gemeinsamen Kampf der "Priviligierten und Nichtpriviligierten" erst möglich.